Achtung Floskel!

Damit meint man ja eigentlich: Halt jetzt bitte die Klappe. Mit etwas Grips im Kopf können Sie jede weitere Frage selber beantworten … 😉

In unseren Firmenkursen werden diese unsäglichen Floskeln entlarvt …

Das Leben wartet nicht – die Floskeln und Phrasen der Autowerber

Der Subaru XV 4×4 «beschützt Sie und Ihre Liebsten». Ein Versprechen der japanischen Autobauer das Sinn macht – immerhin stirbt im Strassenverkehr weltweit alle 24 Sekunden ein Mensch; 1‘350‘000 pro Jahr. Und ein Mehrfaches davon wird verletzt, viele ein Leben lang verkrüppelt. Und natürlich schützt dieses Subaru-Modell auch vor dem KODIAQ RS von Skoda. «Dieser High-Performance-SUV mit 240 PS und einem Drehmoment von 500 Newtonmetern beschleunigt auch Ihren Puls», heizt die Werbung ein. Für erhöhten Puls bei den anderen Autofahrern ist damit auch gesorgt. Aber warum Angst haben und vom Gas gehen? «Nehmen Sie jedes Hindernis als Ansporn. Und machen Sie weiter, wo andere aufhören», sagt uns Peugeot – also los, bieten wir den 240 PS auf der Autobahn zwischen Wangen an der Aare und Niederbipp die Stirn! Den schliesslich ist Autofahren der «Ausdruck innerer Stärke», da hat Mercedes-Benz schon Recht. Und wer nicht Gas gibt, verpasst möglichweise einiges. Denn «das Leben wartet nicht» (Audi).

Peter Schneider in der SonntagsZeitung zur Floskel «… jetzt wird es eng ….»

P.S. Diskurs in der Enge

Geschichte enthüllt sich oftmals erst im Rückblick. So auch im freien Fall des 45. Präsidenten der USA, Donald Trump. Bereits am 18.Mai 2017 staunten «Blick»-Leserinnen und -Leser nicht schlecht: «Plötzlich wird es eng für Trump.» Eine ganz ähnliche, nur weniger plötzliche Entwicklung erkannte das «Bieler Tagblatt» gleichentags: «Es wird eng für Trump…» Die «Berner Zeitung» wusste sogar, wo: «In der Russland-Affäre wird es eng für Trump.» Etwas ungläubig fragte «SRF online» am 12.7.2017 vorsichtshalber nach: «Es wird also eng für Trump?» Es sah schwer danach aus, denn nur zehn Tage später war offenbar klar: «Packt Cohen aus, wird es eng für Trump», jedenfalls, wenn man dem «SonntagsBlick» Glauben schenken wollte. Am 8.November spürte es selbst die «Tages-Woche» bis nach Basel: «…langsam wird es eng für Trump.» Am 18.12.2018 war es schliesslich so weit: «Cohens vernichtendes Interview: Es wird eng für Trump» («Tages-Anzeiger»). Dabei war Cohen nur die Spitze des Eisbergs. «Für Trump wird es eng mit Nordkorea», schätzte die NZZ am 23.1.2019 die Lage online ein. Nordkorea-Experten aus gewöhnlich gut uniformierten Kreisen sprechen davon, dass zwischen Nordkorea und Trump bald kein Blatt Papier mehr Platz habe, so eng könne es werden. – Zum Sport: Damit steht der US-Präsident immerhin nicht alleine auf der Welt, denn auch «Für die Düdingen Bulls wird es eng» («Freiburger Nachrichten», 21.Januar 2019, Seite 12).

Tipps für erfolgreiche Weihnachts- und Neujahrskarten: «Das Jahr neigt sich dem Ende zu»

1. Erinnern Sie daran, dass das Jahr zu Ende geht

Die wenigsten Kunden haben realisiert, dass das Jahr zu Ende geht. Darum starten Sie den Text für die Weihnachtskarte immer mit dem Satz: «Das Jahr neigt sich dem Ende zu.» Varianten: «Wie die Zeit vergeht – bereits geht das Jahr wieder zu Ende» oder «Ein spannendes Jahr nähert sich dem Ende.»

2. Schreiben Sie überraschende Sätze

Zum Beispiel: «Wir wünschen Ihnen schöne Festtage und alles Gute im neuen Jahr.» Das haben Ihre Kunden und Kundinnen so garantiert noch in keiner Weihnachtskarte gelesen. «Besinnliche Festtage» ist auch schön. Und werden Sie mit « … im Kreise Ihrer Familie» ruhig mal etwas persönlich.

3. Oder noch besser: Nehmen Sie den Text vom Vorjahr

Copy and Paste – und schon kann die Druckmaschine loslegen. Der Text hat schliesslich immer gut funktioniert. Und wer erinnert sich schon an das Geschwätz vom letzten Jahr?

Achtung Floskel: «Wir sind ein führendes Unternehmen»

Liest man Stellenangebote, erfährt man, dass jede dritte Firma in der Schweiz «führend» ist. «Wir sind ein führendes, international tätiges Industrieunternehmen», «Firma XX ist eine führende Herstellerin von qualitativ hochstehenden Schiebebeschlägen» und «Unser Auftraggeber ist ein national und international führendes Dienstleistungsunternehmen», liest man da.

Nur schon das inflationäre Aufkommen dieses Adjektivs müsste die Personalverantwortlichen doch davon abhalten, diese Floskel zu verwenden. «Führend» heisst ja nichts, weil man sich nur als eines von vielen führenden Unternehmen sieht. Sonst wäre man ja die Nummer eins.

Besser: Nur Adjektive benutzen, die das Unternehmen wirklich abgrenzen und einmalig machen. Sonst einfach weglassen.

Achtung Floskel: «Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass …»

Kann man negativer in ein E-Mail, einen Brief einsteigen als mit «leider»? «Leider» kommt vom althochdeutschen «Leid» – betrübend, widerwärtig, unangenehm. So dramatisch widerwärtig geht es ja in der Geschäftskorrespondenz meistens nicht zu und her, dass man leiderfüllt, leidgebeugt und leidgeprüft eine Nachricht senden müsste.

Deshalb: weglassen! Statt «Leider muss die Sitzung verschoben werden» besser «Die Sitzung wird verschoben». Die meisten freut es ja sowieso.

Achtung Floskel: «Danke für Ihre Bemühungen»

Wer sich Mühe gibt, bemüht sich. Aber die Erfolgreichen bemühen sich nicht. Sie packen an, führen, treiben das Projekt voran und bringen es zu einem erfolgreichen Ende. Diese Floskel kommt also bei den Powermenschen nicht gut an. Oder wird gar als Beleidigung empfunden – hat er sich wirklich nur «bemüht»?

Aber auch andersherum: Sie haben Ihr Bestes gegeben, praktisch Tag und Nacht gearbeitet, sind stolz auf Ihre Leistung, haben alle Ziele erreicht und den Termin exakt eingehalten. Und dann dies: «Danke für Ihre Bemühungen», kommt trocken zurück.

Und wie macht man es besser? Meistens ist Weglassen die beste Lösung. Und wenn Sie sich für etwas Aussergewöhnliches bedanken wollen, dann sagen Sie es auch. So: «Danke für Ihren aussergewöhnlichen Einsatz!» Oder: «Ihren unermüdlichen Recherchen haben uns auf die richtige Spur gebracht – herzlichen Dank dafür!» Oder ganz einfach: «Danke für Ihre Unterstützung.»

Achtung Floskel: «Wir hoffen, dass unsere Offerte Ihren Vorstellungen entspricht»

Wer nur hoffen kann, hat verloren. Dieser Satz signalisiert Unsicherheit und Zweifel. Die Empfängerin, der Empfänger denkt: Da hat einer seinen Job schlecht gemacht und hofft nun, dass wir es nicht merken!

Selbstbewusste formulieren anders. Sie sind von Ihrer Offerte überzeugt und sagen es auch.

Zum Beispiel so: «Auf der Baustelle XXX erledigen wir gerade alle Elektroarbeiten. Kommen Sie vorbei und überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Arbeit!» Oder: «Wenn Sie bis am 3. September 2018 bestellen, können wir Ihren Wunschtermin problemlos einhalten.» Oder: «Ein Anruf genügt, und wir legen sofort los!»

Achtung Floskel: «Danke für Ihre Aufmerksamkeit»

Das ist der banale Satz für Menschen, denen als Abschluss eines Vortrages, einer Präsentation (in acht von zehn Powerpoint-Präsentationen) nichts Besseres einfällt. Dabei: Für Aufmerksamkeit kann man sich nicht bedanken (vielleicht sind ja ein paar Zuhörende eingeschlafen oder haben auf dem iPhone E-Mails beantwortet). Um Aufmerksamkeit kann man nur bitten – aber auch das wäre ein ziemlich einfallsloser Einstiegssatz.

Noch schlimmere Ausstiegssätze: «Sie sehen, ich habe die Redezeit eingehalten.» Oder: «Ich habe zwar die Redezeit schon überschritten (Seufzen im Saal),  aber hier noch eine kurze Zusammenfassung.» Der allerschlimmste Abschlusssatz: «So, jetzt bin ich fertig. Danke, dass Sie mir so lange zugehört haben.» Das tut weh. Armes Publikum!

Gute Abschlusssätze? «Ich habe Ihnen nun aufgezeigt, wie Sie Ihre ehrgeizigen Ziele erreichen können.» Oder: «Das war nun ein Feuerwerk von guten Ideen – setzen Sie sie um!» Oder: «Wenn Sie sich daran halten, schreiben Sie an der nächsten Prüfung mindestens eine Fünf.»

Die Floskeln und Phrasen der Profis

Eigentlich müssten die Journalisten und Redaktorinnen, die ihr Handwerk gelernt haben, floskelfrei schreiben. Aber weit gefehlt.

Wer Zeitungen und Zeitschriften liest (auch online), dem fliegen die Floskeln nur so um die Ohren. Da sind Menschen an den «Rollstuhl gefesselt», Restaurants «erfreuen sich grosser Beliebtheit», Verbrecher müssen sich «vor Gericht verantworten», «das Chaos ist vorprogrammiert», ein Projekt erhält «grünes Licht», der Regen ist «sintflutartig» und ein Mann wird von der Polizei «auf offener Strasse erschossen». Die Armee «probt den Ernstfall», die Stimmung zwischen Macron und Trump ist «frostig», Differenzen werden «unter den Teppich gekehrt» und die Digitalisierung steht bei den Führungskräften «hoch im Kurs.»

Und dass «das Modehaus Vögele abgestürzt» ist, sich «die Fluggesellschaft Swiss im Aufwind befindet» und die «SBB die Weichen für die Zukunft stellt» –  das ist zu naheliegend, um originell zu sein.